Geheime Flugzeugprojekte am Groom Lake
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Dieser Artikel fasst verschiedene Gerüchte über geheime amerikanische Luftfahrzeuge zusammen, die auf dem Groom Lake Testgelände (auch bekannt als "Area 51", und offiziell möglicherweise als "Watertown" bezeichnet) angeblich erprobt werden. Die Daten wurden von Quellen zu Verfügung gestellt, die angeben, Insider-Informationen über die Aktivitäten am Groom Lake zu haben und beschlossen haben, den Deckel der Geheimhaltung etwas anzuheben. Der Leser sollte sich jedoch immer darüber im Klaren sein, dass diese Informationen nicht überprüft, und möglicherweise verzerrt oder schlicht falsch sind! Um dies zu verdeutlichen, ist jeder Abschnitt in zwei Teile unterteilt: Die Gerüchte, wo die Behauptungen im Wesentlichen unverändert widergegeben werden, und der Kommentar, in dem ich versuche, die Plausibilität der Gerüchte zu bewerten. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass die Hauptquelle für viele Projekte auf dieser Seite (Sentinel, Astra, Bright Star, COPPER COAST) in der Vergangenheit eine kurze Aussage über das "Bird of Prey"-Programm machte, und es als "modifizierte F-15" bezeichnete. Dies wurde jedoch durch die Enthüllung des Boeing "Bird of Prey" Stealthtechnologie-Erprobungsträgers widerlegt. Dieser Fehler (oder absichtliche Fehlinformation?) wirft weitere Zweifel auf die anderen Behauptungen dieser Quelle.

Für Informationen über Projekte, für die konkretere Hinweise und Daten vorliegen, wird auf den hervorragenden Artikel "Black Projects at Groom Lake: Into the 21st Century" von Peter W. Merlin verwiesen.



F-121 Sentinel

Gerüchte

Dieses Flugzeug wurde von General Dynamics (Fort Worth), jetzt Teil von Lockheed Martin, gebaut, und absolvierte seinen Erstflug im Jahr 1986. Es ist ein einsitziges Aufklärungsflugzeug für das NRO (National Reconnaissance Office), mit einer Geschwindigkeit von über Mach 3 und erheblich besseren Stealth-Eigenschaften als die SR-71A. Es ist von fast perfekter Dreiecksform mit 65° Vorderkantenpfeilung, und die Lufteintrittsöffnung auf der Unterseite ist übergangslos in den Rumpf eingearbeitet. Vier von diesen Flugzeugen waren 2001 auf der Groom Lake Basis in den Hangars 20 bis 23 in einsatzfähigem Status stationiert.

Die inoffizielle Bezeichnung F-121 wurde erst vergeben, nachdem Lockheed Martin die Aktivitäten von General Dynamics Forth Worth übernommen hatte. Die Nummer 121 wurde angeblich zu Ehren der Lockheed-Baunummer der ersten A-12 Blackbird gewählt. Der F-Präfix wird häufig in Tarnbezeichnungen für geheime Flugzeuge verwendet und bedeutet nicht, dass die Sentinel ein Kampfflugzeug ist. Der Codename "Centennial" für die F-121 wurde ebenfalls erwähnt.

Bild: Hughes Electronics

Die Abbildung oben ist ein Ausschnitt aus einem Bild von Hughes Electronics, das verschiedene Systeme zeigt, für die Hughes Elektronik- und/oder Aufklärungs-Ausrüstung bereitgestellt hat. Die Strichzeichnung des großen Deltas stellt die F-121 dar. Das Flugzeug wurde bei mehreren Gelegenhaiten gesehen. Die meist-publizierten Ereignisse sind Sichtungen von Chris Gibson 1989 über der Nordsee, und von Meinrad Eberle (bekannt als "Swiss Montain Bat") et.al. am 8. September 1999 vom Tikaboo Peak.

Foto: NASA/Langley via Dreamland Resort
NASA-Windkanalmodell eines 65° Delta

Die folgenden Bilder zeigen ein F-121-Modell, das von Byron Salisbury auf der Basis von Sichtungsberichten gebaut wurde. Das Modell enthält eine Reihe von Ungenauigkeiten (die F-121 hat z.B. keine Triebwerksschächte auf der Oberseite und keine nach unten weisenden Leitwerke), aber der prinzipielle Entwurf wird relativ gut dargestellt.

Fotos: via FAS


Kommentar

Falls die Hughes-Grafik echt ist, dann erreichte dieses Flugzeug zumindest das Entwurfsstadium. Falls es tatsächlich gebaut wurde, ist es definitiv ein hervorragender Kandidat, um Sichtungen von unbekannten "großen dreieckigen" Flugzeugen zu erklären. Die Hintergrundgeschichte birgt jedoch zahlreiche Ungereimtheiten: der zeitliche Rahmen, eine ganze Gruppe von Einsatzflugzeugen am Groom Lake, and nicht zuletzt die Behauptung, die F-121 sei für das NRO gebaut worden - das "National Reconnaissance Office" betreibt Spionage-Satelliten, aber keine Flugzeuge!

Die diversen angeblichen Bezeichnungen und Namen sollte man ebenfalls mit Vorsicht genießen. Die Bezeichnung "F-121" ist aüßerst fragwürdig, und die Namen "Centennial" und "Sentinel" klingen ziemlich ähnlich - einer davon ist wahrscheinliche nur eine Fehlinterpretation des anderen.

Auch wenn es aufgrund diverser unbestätigter Sichtungen gut möglich erscheint, dass ein (möglicherweise mehrere) großer Flugzeugtyp mit Deltaflügeln im Geheimen flog/fliegt, sind tatsächliche Namen und Konfigurationen immer noch unbekannt (siehe auch Snow Bird). Alles in allem glaube ich, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass die Geschichte der "F-121" der Wahrheit nahe kommt.



A-11 Astra

Gerüchte

Die A-11 Astra ist ein Nachfolger der F-111 Aardvark mit Stealth-Eigenschaften. Sie wird als ein langgesrecktes Dreieck mit gezackter Hinterkante beschrieben. Vorwärtsgepfeilte Ruder sind auf von der Hinterkante ausgehenden Trägern montiert, und die Lufteinlässe befinden sich unter dem Rumpf nahe an der Vorderkante. Der Entwurf verwendet weniger flache Oberflächen ("Facetten") als die F-117. Die prinzipiellen Daten sollen ähnlich zu denen des ATA-B Vorschlags aus dem Jahr 1978 sein. Die Astra war 2001 noch in Produktion, und zu dieser Zeit befanden sich drei Flugzeuge auf dem Groom Lake Testgelände zur Fortführung von Entwicklungstests.

Kommentar

Es gibt Anzeichen (einschließlich Sichtungsberichte) dafür, dass ein Flugzeugtyp mit den genannten Eigenschaften existieren könnte. Es wird aber auch berichtet, dass das Flugzeug der F-117A sehr ähnlich sieht (zumindest aus manchen Blickwinkeln), abgesehen von der Größe. Weil es fast unmöglich ist, die Abmessungen eines Flugzeugs in der Luft ohne eine bekannte Referenz abzuschätzen, könnte jede Sichtung auch leicht eine falsch identifizierte F-117A gewesen sein. Weiterhin passen die Behauptungen, die "A-11" würde (a) im Wesentlichen Stealth-Technologie aus den 80ern verwenden, wäre (b) noch in Produktion und wurde (c) noch nicht in der Öffentlichkeit genannt, ganz einfach nicht zusammen.

Letztlich sind auch die Bezeichnung "A-11" (würde die Lücke zwischen der A-10 Thunderbolt II und der aufgegebenen A-12 Avenger II schließen) und der Name "Astra" sehr zweifelhaft. In der Vergangenheit hat die USAF niemals Standardbezeichnungen an geheime Flugzeuge vergeben (aus offensichtlichen Gründen), und der Name "Astra" wurde von Fachleuten für Geheimprojekte und der "UFO-Gemeinschaft" im Zusammenhang mit allen möglichen Behauptungen genannt, darunter auch sehr obskuren.

Die "A-11 Astra"-Gerüchte sind wahrscheinlich ein Mix von mehr oder weniger unfundierten Behauptungen, aus denen jemand erfolglos versucht hat, eine zusammenhängende Geschichte zu machen.



Bright Star

Gerüchte

Die Bright Star ist eine private Entwicklung der Lockheed Martin Skunk Works. Sie dient zur Erforschung von Überschall-Marschflug und Überschallknall-Effekten bei Geschwindigkeiten von über Mach 2, und wurde von den Skunk Works auch verwendet, um das Interesse der DARPA an QSP (Quiet Supersonic Platform) Forschung zu wecken. Obwohl es sich nicht um ein DOD-Projekt handelt, stellt die USAF etwas Unterstützung zu Verfügung (zumindest durch die Bereitstellung eines geheimen Testgeländes ;-)). Bright Star fliegt schon seit vielen Jahren und war der Grund für einige der unerklärten Überschallknall-Ereignisse über den westlichen USA. Bright Star ist die plausibelste Erklärung für viele sogenannte "Aurora"-Sichtungen. Das Flugzeug wurde mindestens zweimal fotographiert, 1995 auf dem Groom Lake Gelände von Andreas von Retyi und von einem unbekannten Zeugen, der dieses Foto aus großer Entfernung schoss:

Foto: ???


Bright Star ist angeblich auch die Ursache für die berühmten "Donuts-On-A-Rope"-Kondensstreifen, so benannt weil sie Ähnlichkeit mit auf einer Schnur aufgereihten Kringeln haben (für Photos, siehe diese Seite). Diese Kondensmuster wurden oft zusammen mit einem "rumpelden" Geräusch gemeldet. Das Rumpeln wird durch das Flugzeug im transsonischen Geschwindigkeitsbereich erzeugt, und ist im Wesentlichen eine Reihe von Überschallknallen niedriger Amplitude mit einer Frequenz von 1 - 3 Hz. Der "Donut"-Kondensstreifen wird durch Wasserdampf gebildet, der in der Schockwelle eingefangen wurde. Der "pulsierende" Überschallknall ist direkt verantwortlich für das charakteristische Geräusch und den "seltsamen" Kondensstreifen des Flugzeugs.

Kommentar

Das Foto aus unbekannter Quelle ist bestenfalls uneindeutig, und könnte genauso gut ein anderes Flugzeug mit Deltaflügeln zeigen (z.B. eine QF-106 Zieldrohne). Die "Donuts-On-A-Rope"-Kondensstreifen sind höchst umstritten, und es ist keineswegs sicher, dass sie von einem geheimen Antriebssystem erzeugt wurden. Allerdings zeigt das von Retyi-Foto tatsächlich eine großes helles Flugzeug. Selbst wenn also die Hintergrundgeschichte und der Name der Bright Star nur erfunden ist (was sein kann oder auch nicht), haben wir zumindest ein echtes unidentifiziertes Flugzeug.



HGV (Hypersonic Glide Vehicle)

Gerüchte

HGV war ein wiederverwendbares unbemanntes raketengetriebenes Luftfahrzeug. Der Auftrag wurde 1979 an das UAB (Unmanned Aircraft Bureau) der Lockheed Skunk Works vergeben. HGV konnte eine Geschwindigkeit von Mach 18 und eine Reichweite von 8000 km erzielen, nachdem es von einer stark modifizierten B-52H in einer Höhe von 20000 m gestartet worden war. Zeitweise war geplant, HGV in eine überlebensfähige Plattform mit zwei oder drei Nuklearsprengköpfen für schnelle nukleare Gegenschläge weiterzuentwickeln. Im Zeitraum 1989/90 wurden einige Sichtungen von HGV-Flugtests erwähnt. HGV war ca. 9 m lang, hatte einen Deltaflügel mit 75° Pfeilung, und vier vertikale Seitenleitwerke. Es war außerdem mit einem ausfahrbaren "Aero-Spike" ausgerüstet (ähnlich wie die Trident SLBM), um den Luftwiderstand bei Hyperschall-Geschwindigkeit zu verringern.

Kommentar

Es ist sicher, dass HGV als Projekt exitierte, tatsächliche Testflüge wurden jedoch nie offiziell bekanntgegeben. Weitere Informationen über das HGV-Programm, einschließlich einer inoffiziellen Zeichnung, sind auf dieser Seite zu finden.



Snow Bird, BRILLIANT BUZZARD

Gerüchte

Snow Bird ist ein Aufklärungsflugzeug mit sehr hoher Geschwindigkeit (über Mach 3,5 im Marschflug), das als Ersatz für die SR-71 aus dem sogenannten BRILLIANT BUZZARD entwickelt wurde. BRILLIANT BUZZARD (möglicherweise nicht der wirkliche Tarnname) ähnelte einem fliegenden Keil mit doppeltem Seitenleitwerk. Snow Bird ist ähnlich, hat aber möglicherweise etwas rundere externe Formen. Die Form seines Deltaflügels erinnert an die Concorde, die Lufteinlässe sind auf der Unterseite des Rumpfes, und die Seitenleitwerke sind nach innen geneigt. Snow Bird flog (zumindest) im Herbst 1999.

Kommentar

Dies ist eine weitere Behauptung über die Existenz eines schnellen Deltaflüglers (siehe auch Sentinel). Auch wenn es aufgrund diverser unbestätigter Sichtungen gut möglich erscheint, dass ein (möglicherweise mehrere) großer Flugzeugtyp mit Deltaflügeln im Geheimen flog/fliegt, sind tatsächliche Namen und Konfigurationen immer noch unbekannt. Die "Snow Bird"-Geschichte ist anscheinend nur eine weitere Variante des Themas "Geheimer Ersatz für die SR-71". In diesem Fall wird allerdings nicht behauptet, dass Flugzeug sei tatsächlich im Einsatz (was etwas realistischer ist, und deshalb die marginale Glaubwürdigkeit der Gerüchte leicht erhöht).



L301/COPPER COAST

Mitte der 70er Jahre untersuchte die NASA hypersonische Luftfahrzeuge als Nachfolgeprojekt zum X-24B Lifting Body (Auftriebskörper) unter der allgemeinen Bezeichnung "X-24C". Das X-24C-Konzept der Lockheed Skunk Works war der Entwurf L301. L301 sollte einen Raketen- und/oder Scramjet-Antrieb erhalten, und war für Geschwindigkeiten bis zu Mach 6.65 in 28000 m Höhe entworfen. Im September 1977 wurde das X-24C/L301-Projekt wegen Geldmangels offiziell eingestellt, womit die öffentlich dokumentierte Geschichte der L301 endet.

Foto: NASA

Zeichnungen: Lockheed
Lockheed Entwurf X-24C/L301


Gerüchte

Nach der offiziellen Einstellung übernahm das U.S.-Verteidigungsministerium das L301-Projekt, und führte die Entwicklung unter dem Geheimprojekt COPPER COAST fort. Lockheed untersuchte auch Einsatzvarianten der L301 als potentielle Nachfolger der SR-71. Diese Untersuchungen umfassten Entwürfe für Mach 4 in 60 km und Mach 7 in 75 km Höhe. Ein L301-Versuchsmuster, das sich vom letzten veröffentlichten Entwurf (siehe Zeichnungen) etwas unterschied, wurde gebaut, und flog 1981 zum ersten Mal. Die geplanten Einsatzversionen des COPPER COAST-Luftfahrzeugs wurden allerdings nicht gebaut, da der Vertrag für den SR-71-Nachfolger an General Dynamics mit dem Sentinel-Entwurf (siehe F-121) ging.

Das L301/COPPER COAST Testprogramm wurde vom Dryden Forschungszentrum der NASA geleitet. In der späteren Flugtestphase wurde das Luftfahrzeug von der NASA als SYNCON (Synergetic Configuration) bezeichnet. Die NASA plante auch "Waverider" ("Schockwellenreiter")-Entwürfe als Nachfolgeprojekte zur L301. Das folgende Foto ist angeblich ein Windkanalmodell eines solchen Entwurfs.

Foto: NASA via FAS


Kommentar

Es gibt keinerlei offene Hinweise darauf, dass das X-24C/L301-Projekt nach seiner offiziellen Streichung in irgendeiner Form weitergeführt wurde. Und die Aussage, dass die NASA ein Testprogramm leitet, dessen bloße Existenz schon geheim ist, klingt auch nicht sehr plausibel. Deshalb liegt die Glaubwürdigkeit der Gerüchte über L301/COPPER COAST nahe bei Null.





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